Pressetexte

Die Poesie des Funktionalen — Der 5. Internationale Marianne Brandt Wettbewerb sucht Ideen für nachhaltiges Design

Was bedeutet Funktionalität? Ein Ding auf die Anforderungen seines praktischen Gebrauchs zu reduzieren. So dachten die Begründer des Bauhauses vor über 90 Jahren. Heute genügt es nicht mehr, Dinge seriell und möglichst billig herstellen zu können. Sie müssen gleichzeitig verantwortungsbewusst gestaltet sein. Nachhaltigkeit ist das viel gehörte, viel gebrauchte Stichwort. 

„Kein Tag im Jahr ohne Suche“, zitiert einer ihrer Schüler Marianne Brandt, die Namensgeberin des Internationalen Marianne Brandt Wettbewerbs. Die Bauhaus-Künstlerin suchte nach dem Gleichgewicht zwischen Zweckdienlichkeit und Ästhetik, auch abseits der starren Formeln, denn es sei „eine schwere Selbsttäuschung zu glauben, dass mit Kreis, Quadrat und Kubus der Weg der Gestaltung schon gewiesen wäre.“ Das Bauhaus war für sie keineswegs vollkommene Formgebung. Neue Materialien mussten entdeckt, andere Gestaltungsweisen ergründet werden. Heute setzt sich diese Suche in anderer Richtung fort – nach ressourcenschonendem und umweltverträglichem Produktdesign.

Neben den gleich bleibenden Preiskategorien der Fotografie und Produktgestaltung eröffnet der 5. Marianne Brandt Wettbewerb jungen Designern deshalb die Gelegenheit, in der Sonderkategorie Cradle to Cradle – von der Wiege zur Wiege – ihre Ideen für nachhaltige Gestaltung zu entwickeln und vorzustellen, Dinge zu entwerfen, die sich in die natürlichen Kreisläufe einfügen. Schon in den letzten Jahren ließen die eingereichten Konzepte Ansätze dieses Ideals erahnen: Kaffeemühlen aus Pappe, Straßenlampen, die ihre Energie von den vorbeifahrenden Fahrzeugen beziehen, ein Papierkolibri, der Ritzen und Löcher in den Wänden auf charmante Weise vertuscht und Funktionalität neu dachte. 

Rationales und verantwortungsvolles Design schließt Ausstrahlung und künstlerische Individualität aber nicht aus. Deshalb die Maxime Die Poesie des Funktionalen – auch Praktisches kann schön sein – ganz im Sinne Marianne Brandts. Träger ist der Kunstverein Villa Arte e.V. aus Chemnitz. Von dort stammt die Künstlerin. Dort sollen ihre Gedanken ihre Fortsetzung erfahren. Unterstützung bekommt der Wettbewerb vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Chemnitz.

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